1554-2004: 450 Jahre Reformation in Kaiserslautern
 |
Detail an der Innenseite der Westtür der Stiftskirche
|
Am Sonntag Lätare, dem 4. März 1554, forderte Pfalzgraf Friedrich II. von Heidelberg aus seinen Amtmann Bonn von Wachenheim und den Landschreiber Jost Manz, beide in Lautern, zu einer detaillierten Beschreibung der kirchlichen Zustände in ihrem Amtsbezirk auf und gab damit - vor 450 Jahren - den entscheidenden Impuls zur Einführung der Reformation in unserer Stadt. In dem umfangreichen Mandat, das Werner Seeling 1967 veröffentlicht hat, erkundigte sich der Pfalzgraf auch nach Pfarrern, die "das Volk mit reiner Lehre des Worts Gottes recht und christlich unterweisen" und die Sakramente nach Christi Einsetzung verwalten.
Eine kleine Rückblende zeigt, dass die Quellen weitgehend schweigen, wie die durch Flugschriften verbreiteten Ideen der Reformation in Kaiserslautern zündeten, wie man in der Stadt die wegweisenden Reichstage von 1521, 1526 und 1529 kommentierte, die frühe Einführung der Reformation in Landstuhl oder Zweibrücken beobachtete und welche Position Rat und Bürgerschaft zur neuen reformatorischen Lehre von der Freiheit eines Christenmenschen einnahmen. Es wird allenfalls kolportiert, Kaiser Karl V. habe am 12. Juni 1544 mit einer brennenden Kerze an der Fronleichnamsprozession in der Stiftskirche teilgenommen um die "protestantischen Neigungen" der Bevölkerung zu deprimieren.
Zehn Jahre später gab das eingangs erwähnte Mandat dann den vom Rat verblüffend rasch umgesetzten Impuls zur Einführung der Reformation. Theodor Zink, Eugen Mayer und Werner Seeling haben dieses Themenfeld in früheren Beiträgen beleuchtet, und das neue von Martin Dolch und Michael Münch bearbeitete "Urkundenbuch" verzeichnet ebenfalls die verschiedenen Quellen. Demnach widmete sich bereits am 22. März 1554 der Rat der als Zentrum der oberdeutschen Reformation geltenden Stadt Straßburg dem Ersuchen seiner Kaiserslauterer Kollegen, "sye seyen von Irem gnedigsten herr dem pfaltzgraven Churfursten vermant worden sich mit gelerten und gotsfürchtigen predicanten zu versehen".
Zwar verweigerte sich der zunächst vorgesehene Melchior Specker. Aber der Mitreformator der Grafschaft Hanau-Lichtenberg und Pfarrer in Dorlisheim Panthaleon Blasius und Johannes Rab, Pfarrer in Nonnenweier, brachen am 11. April von Straßburg zur Sondierung nach Kaiserslautern auf. Nach ihrer Rückkehr folgte am 7. Mai 1554 in Straßburg vor einem Konvent ihre förmliche Entsendung und Verpflichtung, "was ihr ampt sein werde und wie sie das in der Kirchen zu Kaiserluther verrichten sollten, auch sie zur einigheit vermanet und das sie mit uns in der augspurgischen Bekenntnis“ (- dem protestantischen, von Melanchthon beim Augsburger Reichstag 1530 präsentierten Bekenntnis -) „einig und bestendig bleiben wollen." Ende Mai/ Anfang Juni trafen Blasius und Rab wieder in Kaiserslautern ein und nahmen ihre Tätigkeit auf.
Zuvor hatte der Pfalzgraf am 11. Mai "allerhand irrung" zwischen dem der alten Lehre folgenden Stift einerseits und Rat und Bürgerschaft andererseits durch einen Vergleich gelöst. Bis zur Klärung der Konfessionsfrage im Reich hatte der Rat unter anderem das Recht, "christliche kirchendiener" (protestantische Geistliche) zu bestellen. Sie konnten in der (nicht genutzten) "Barfüßer Kirchen" - der heutigen Martinskirche - nach der neuen protestantischen Lehre "das heylig Evangelium lauter und rein predigen", Taufe und Abendmahl nach Christi Einsetzung spenden und auf Wunsch Seelsorge für die Kranken betreiben.
Es sollten noch elf Jahre vergehen, bis das Stift dann 1565 aufgelöst wurde, sich in der Stiftskirche die reformierte Gemeinde versammeln sollte und dort der katholische Gottesdienst endete.
Dr. Wolfgang Müller
Wer sich ganz aktuell zum Protestationsjubiläum in der Evangelischen Kirche der Pfalz informieren will, der klicke bitte hier unter www.protestantisch2004.de
|