Die kleine Kirche zu Kaiserslautern

Vom Anfang bis 1818
Die Kleine Kirche wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts durch die damalige lutherische Gemeinde Kaiserslautern errichtet wurde. Die Grundsteinlegung erfolgte am 16. Juli 1711, die Einweihung im Frühsommer 1717. Am 17. Juli 1757 feierte man den 46. Jahrestag der Grundsteinlegung und vermutlich die Fertigstellung des Turmes. 1784 stifteten die "Lehrer und Zuhörer" der seinerzeit in Kaiserslautern ansässigen "Kameral Hohen Schule" eine Kanzel. Da die Kirche in den Wirren der Revolutionskriege am Ende des 18. Jahrhunderts "beinahe ganz ihres Inneren" beraubt worden war, führte man nach 1817 umfangreiche Renovierungsarbeiten durch. Gerade in jener Zeit hatte sich in den meisten Gemeinden des pfälzischen Raumes ein immer stärkerer Annäherungsprozess zwischen Lutheranern und Reformierten vollzogen. Den entscheidenden Impuls für die Kirchenunion lieferte die im Zeichen des gemeinsamen reformatorischen Erbes begangene dritte Säkularfeier der Reformation 1817. Danach begehrten wie andernorts auch in Kaiserslautern "die beiden protestantischen Gemeinden forthin nicht mehr getrennt, sondern in einer evangelisch-christlichen Gemeinde vereinigt zu sein".

Die Kirchenunion 1818
Nach einer Volksabstimmung vollendete die im August 1818 in Kaiserslautern tagende Generalsynode die Kirchenvereinigung der beiden reformatorischen Bekenntnisse. Zu Beginn und Ende dieser Generalsynode - am 2. und 16. August 1818 - führte "mit fliegenden Fahnen durch geschmückte Straßen" ein feierlicher Zug von der kleineren lutherischen zur größeren reformierten Kirche (der Stiftskirche). Mit der Kirchenvereinigung wurde die ehemals lutherische Kirche am Rittersberg wie die frühere reformierte Stiftskirche "gemeinschaftliches Eigentum der vereinigten protestantischen Gemeinde".

Die Renovierung 1991-1993
Es ist hier nicht möglich, die wechselvolle Geschichte seit den Tagen der Union ausführlich zu beschreiben. Hervorzuheben bleibt aber, dass diese Kirche als einziges Gotteshaus von den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges verschont blieb und sich deshalb gerade die älteren Kaiserslauterer Protestanten "ihrer" Kleinen Kirche eng verbunden fühlen. Daher war es für das Presbyterium eine selbstverständliche Verpflichtung, mit besonderer Sorgfalt die Renovierungsarbeiten zwischen 1991 und 1993 durchzuführen und den gottesdienstlichen Charakter der Kirche zu wahren, die am 17. Januar 1993 wieder in Dienst gestellt werden konnte. Die 1910 von der Firma Walker gestaltete Orgel mit ihren 32 Registern erklang wieder beim Gemeindefest am 11. Juli 1993.

Ferner wird von Interesse sein, dass sowohl der Altar aus dem Jahr 1821, wie auch die stilvollen Kirchenbänke aus der Stiftskirche stammen. Die früher im Außenbereich sichtbaren Grabplatten der beiden lutherischen Kirchenvorsteher Hans Georg Müller und Johannes Peter Christmann befinden sich nun im Innenraum neben den Eingängen. Vom Turm der traditionsreichen Kleinen Kirche erklingt übrigens die älteste Kaiserslauterer Kirchenglocke, die 1863 vom hiesigen Glockengießer Georg Hamm gegossen wurde. Das Gotteshaus dient heute unserer Stiftskirchengemeinde. Jeweils am 2.Sonntag im Monat ist Gottesdienst in der Kleinen Kirche. Auch Taufen und Trauungen können auf Wunsch in der Kleinen Kirche stattfinden. Besichtigungen sind während der Öffnungszeiten des angrenzenden Gemeindehauses „Alte Eintracht“ jederzeit möglich.