Kirchen in Kaiserslautern

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Ansprache von Oberkirchenrat Christian Schad anläßlich der Partnerschaftsvereinbarung

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder!

Es ist für mich eine große Freude und Ehre zugleich, Sie heute, an diesem ökumenischen Festtag, in Kaiserslautern zu begleiten. Ich tue das im Namen der Evangelischen Kirche der Pfalz, aber auch im Namen des Bischöflichen Ordinariats in Speyer. Mein katholischer Kollege, Herr Ordinariatsrat Michael Schmitt, der heute leider nicht hier sein kann, hat mich ausdrücklich gebeten, auch für ihn dieses Grußwort an Sie zu richten.

Ihre beiden Gemeinden, die Protestantische Stiftskirchengemeinde und die Pfarrei St. Martin, sind in der Pfälzischen Landeskirche und im Bistum Speyer die ersten, die mit dem heutigen Tag eine Vereinbarung über ihre ökumenische Partnerschaft geschlossen haben. Das ist ein öffentliches und verbindliches Zeichen des Aufbruchs und der Umkehr: weg von dem, was trennt und spaltet, hin zum Grund unserer kirchlichen Gemeinschaft, zu Jesus Christus, und damit zugleich Ausdruck der geschwisterlichen Hinwendung zueinander.

Sie widersetzen sich damit all den Stimmen, wonach das konfessio-nelle Profil in der Abgrenzung voneinander zu finden sei; auch widersprechen Sie einem bloß schiedlich-friedlichen Nebeneinander unserer beiden Kirchen. Vielmehr praktizieren Sie seit über 30 Jah-ren das ökumenische Miteinander - dessen Höhepunkt gewiss der diesjährige "Ökumenische Sommer der Kirchen" war. Eben dieses Miteinander Ihrer Gemeinden vor Ort wollen Sie durch diese Vereinbarung verpflichtend machen, es soll verbindlich sein für alle Gruppen und Kreise; aus gelegentlichen sollen dauerhafte Bezie-hungen werden.

Ich wünsche mir, dass vom heutigen Tag eine ökumenische Signalwirkung ausgeht - und viele Gemeinden in der Landeskirche und im Bistum Speyer Ihrem Vorbild folgen.
Als Präsent für Ihre beiden Gemeinden habe ich zwei Kerzen mitgebracht, die jeweils in der protestantischen und in der katholischen Gemeinde ihren Ort bekommen sollen. Die Kerze, dieses Lichtsymbol, ist seit alters Zeichen für Jesus Christus selbst, der von sich sagt: "Ich", Christus, "bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben" (Joh 8,12). Und worin die Nachfolge konkret besteht, hat Jesus in seinem hohepriesterlichen Gebet, in der großen Fürbitte vor seiner Passion, ausgedrückt. Darin bittet er für die Glaubenden: "Sie mögen alle eins sein". Warum? "Damit die Welt glaube!" (Joh 17, 21).

Damit unser Zeugnis und unser Dienst als Christinnen und Christen glaubwürdig ist.
"Ut unum sint", "dass sie, dass wir alle eins seien", dieses Wort Jesu, das auch auf dem Westportal des Speyerer Domes zu finden ist, habe ich deshalb - gleichsam als Überschrift - auf diese Kerze prägen lassen. Wenn wir als Protestanten und Katholiken zueinander finden, dann entsprechen wir dem Willen Jesu. Deshalb gehört Ökumene zum Wesensauftrag der Kirche und kann nicht dem Belieben Einzelner ausgesetzt werden.

Das älteste Symbol der Einheit der Christen in unserer Region ist der sogenannte "Eisenberger Brotstempel" aus dem 4. Jahrhundert nach Christus. Ihn finden Sie im Zentrum dieser Kerze abgebildet. Er zeigt in einfacher Ausführung die ineinander gezeichneten Anfangsbuchstaben (Chi und Rho) des Christusnamens. Er wurde verwendet, um das Abendmahlsbrot bei der Feier der Eucharistie zu be-zeichnen. Er steht dafür, dass wir im Brot des Abendmahls Christus selbst empfangen.
Dieses Symbol, liebe Schwestern und Brüder, dieser Brotstempel erinnert uns heute daran, dass wir in tiefer Sehnsucht auf die volle Einheit und Gemeinschaft unserer Kirchen noch warten. Noch sind wir am Tisch des Herrn getrennt. Noch verbindet uns keine Abendmahls-, keine eucharistische Gemeinschaft. Das schmerzt. Und dabei denke ich in dieser Stunde besonders an die vielen konfessionsverbindenden und konfessionsversöhnenden Ehen und Familien! Dieses Symbol, dieser Brotstempel aber macht uns auch Mut: dass wir geduldig und beharrlich unterwegs bleiben, darum beten und weiter suchen nach der sichtbaren Einheit als vielfältige Gemeinschaft in einem Glauben und am Tisch des Herrn. Ja, es ist wichtig, dass wir uns von Christus selbst immer wieder daran erinnern lassen, dass dieses Brot letztlich keine getrennten Tische verträgt!

"Christus prägt - sein Geist bewegt", so lautet die Unterschrift unter dem Zeichen dieses Brotstempels. Es ist das Motto des ökumenischen ChristFestes gewesen, das wir gemeinsam an Pfingsten 2000 in Speyer gefeiert haben. Christus prägt - sein schöpferischer Reform- und Erneuerungsgeist bewegt. Das haben Sie, liebe Schwestern und Brüder, in den letzten Jahren dankbar erfahren. Gottes Geist spaltet nicht, sondern er führt zusammen, was zusammen gehört.

Kaiserslautern war und ist die "Stadt der Union". Im Jahr 1818 fanden hier die schmerzlich getrennten reformatorischen Konfessionsparteien der Reformierten und der Lutheraner zusammen, indem sie sich in der Abendmahlsfrage einigten und hier, in der Stiftskirche, als Besiegelung der Union erstmals gemeinsam das Heilige Abendmahl feierten.

Heute ist Kaiserslautern die "Stadt der Ökumene". Und vielleicht ist der heutige Tag der Vereinbarung Ihrer ökumenischen Gemeindepartnerschaft ja einmal ein ganz entscheidender Schritt hin zur vollen Gemeinschaft unserer beiden Kirchen. Gott gebe uns allen dazu immer wieder Kraft und seinen reichen Segen!

Christian Schad

 

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